Wegen eines technischen Problems war der Blog seit Mitte Mai nicht mehr zu erreichen. Deswegen fehlen auch ein paar aktuelle Einträge – zum Beispiel, dass ich mittlerweile wieder zurück in Deutschland bin. Natürlich werden diese Einträge so schnell wie möglich nochmal hoch geladen!
Technische Probleme
June 14th, 2011Reise nach León
April 5th, 2011Nach dem Zwischenseminar in Costa Rica hatte ich mich kurzfristig dazu entschlossen das Wochenende zu nutzen, um León anzuschauen. Das ehemalige Zentrum der Liberalen während des Bürgerkriegs liegt ungefähr eineinhalb Stunden nördlich von Managua und ist berühmt für seine Kathedrale (die auch den Hundert Córdoba-Schein ziert) und für seine Vulkane, von denen es umgeben ist.
Die Nacht von Freitag auf Samstag verbrachte ich in Managua, verließ aber schon um fünf Uhr Morgens die Stadt, denn für diesen Tag waren zwei politische Kundgebungen angekündigt: Eine wurde von der FSLN organisiert, um zu manifestieren, dass Ortega wieder als Präsidentschaftskandidat antreten wird und die andere Kundgebung war von der Opposition – welche eine Wiederwahl verhindern möchte. Kurz gesagt: Ärger war vorprogrammiert und am nächsten Tag erfuhr ich dann, dass es auch tatsächlich Gewalttätigkeiten gab.
Ich kam also schon früh in León an und hatte somit vormittags auch mehr Zeit die koloniale Stadt zu erkunden. Von der Kathedrale hätte ich etwas mehr erwartet. Nicht, dass ich enttäuscht gewesen wäre, aber auf den Bildern und dem Geldschein wirkte sie auf mich immer etwas imposanter.
Für den Nachmittag war eine Vulkantour (Bilder kommen bald!) angesetzt – genauer gesagt volcano boarding auf dem Cerro Nergro (Schwarzer Hügel), was so ähnlich wie Schlittenfahren ist: Man bekommt ein Brett mit einer Leine in die Hand gedrückt und klettert auf den Vulkan. Sobald man dann oben ist, zieht man sich Schutzkleidung an (Schweißerbrille gegen den Staub), setzt sich auf das Brett und fährt mit Vollgas den Abhang hinunter. Der Geschwindigkeitsrekord liegt bei 86 km/h, ich selbst habe es allerdings nur auf knappe dreißig gebracht. Die Rückfahrt war leider etwas fatal, denn im Paket waren nicht nur der Transport und der Aufstieg auf den Vulkan enthalten, sondern auch noch ein Cookie, ein Bier und zwei Mojitos. Auf fast leeren Magen und einen Nachmittag in der heißen Sonne bekam mir das nicht so gut. Auch wenn ich für den Ausflug nach León insgesamt neun Stunden im Bus saß, hat es sich auf jeden Fall gelohnt die Stadt wenigstens gesehen zu haben!
Zwischenseminar in Costa Rica
March 30th, 2011Bevor Leonard und ich nach Costa Rica fuhren wurden wir mit vielen Vorurteilen gegenüber den Ticos gefüttert. Die Ticos würden komisch reden, seien aufschneiderisch, wollen den Rio San Juan erobern, etc. pp. Es ist also wohl offensichtlich, dass sich die Nicaraguaner mit ihren südlichen Nachbarn nicht besonders gut verstehen. Warum? Der Hauptgrund ist sicherlich das Wohlstandsgefälle: Costa Rica hat es geschafft eine Industrie aufzubauen und hat deutlicher weniger Probleme mit Armut als Nicaragua. Deswegen wird Costa Rica häufig auch die Schweiz Zentralamerikas genannt – die Nicas vergleichen das Land auch gerne mit den USA, denn die beiden Länder haben in den Augen der hiesigen Bevölkerung mindestens eine Sache gemeinsam: Beide Nationen wollen stets das arme Nicaragua beklauen. Von dieser These kann man halten was man will, Fakt ist jedoch, dass Costa Rica ein relativ wohlhabendes Land ist und es wird geschätzt, dass sich bis zu einer Million Nicas legal oder illegal dort aufhalten, um dort zu arbeiten. So entsteht sicherlich viel sozialer Neid und jede Menge Vorurteile…
Aber nun zum eigentlich Thema: Leonard und ich reisten schon am Freitag an, um noch ein wenig San José erkunden zu können. Das Seminar fing erst am Montagmorgen an. Wir beiden Nicas wurden sehr freundlich von allen Ticos (sowohl die richtigen als auch die deutschen Freiwilligen) empfangen und hatten so eine nette Zeit. Zuerst war ich etwas voreingenommen gegenüber dem Seminar, weil ich dachte, dass wir vielleicht fünf Tage lang mit Langeweile herumsitzen würden. Aber letztendlich war das nicht der Fall: Am ersten Tag bekamen wir Unterricht in Erste Hilfe. Der Schwerpunkt lag wohl darauf, dass wir lernten zu improvisieren – so wurde aus zwei Besenstielen und einer Decke mal eben schnell eine Bahre gebaut. Auch die anderen Tage waren interessant: Wir sprachen über sexuellübertragbare Infektionen, Gender-Thematik, Lebensplanung und tauschten natürlich auch bei vielen Gelegenheiten unsere Erfahrungen, die wir bei der Arbeit und im Alltag gemacht hatten aus.
Am Freitag verabschiedete ich mich dann von den Ticos und nahm am Nachmittag den Tica Bus von San José nach Managua.
Wahlen in Nicaragua
February 21st, 2011Der Wahlkampf zu den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen hat nun offiziell begonnen. Obwohl erst im November gewählt wird, läuft das Buhlen um die Gunst der Wähler schon auf Hochtouren. Diese Wahl ist besonders bedeutend für Nicaragua, da es darum geht, ob die Sandinisten (FSLN) an der Macht bleiben und darum, ob Daniel Ortega (FSLN) nochmals zum Präsident wiedergewählt werden kann.
Die Verfassung Nicaraguas verbietet die Wiederwahl eines ehemaligen Präsidenten, um einen Machtmissbrauch zu verhindern. Geht es nach der Opposition, großen Teilen der katholischen Kirche und der Wirtschaft, soll das auch so bleiben, da die sozialistische Politik Ortegas bei ihnen auf Feindschaft stößt. Diese nennen seine Kandidatur illegitim und kriminell.

Ein Wahlplakat der FSLN
Könnte Ortega bei den kommenden Wahlen nicht mehr als Präsidentschaftskandidat antreten, hätte die FSLN wohl kaum Chancen den Präsidenten zu stellen, da es ihr wohl schwer fallen dürfte innerhalb von 10 Monaten einen populären Nachfolger zu finden – nicht zu letzt auch deswegen, weil in den letzten Jahren sämtliche Propaganda auf Ortega ausgerichtet wurde.
Die Problematik schein wohl auch der Frente bewusst zu sein, die deswegen alles daran gibt, dass Comandante Ortega wiedergewählt werden kann – und im Moment sieht es so aus, als würde dem nichts mehr im Weg stehen, denn der Oberste Gerichtshof Nicaraguas hat dazu eine Grundsatzentscheidung getroffen: Zwar verbiete die Verfassung eine Wiederwahl eines ehemaligen Präsidenten, aber sie sagt zugleich, dass kein Nicaraguaner von der Wahl ausgeschlossen werden darf. Die FSLN argumentierte damit, dass auch kein ehemaliger Präsident von der Wahl ausgeschlossen werden darf und bekam damit vom Gerichtshof recht. Trotz massiver finanzielle Unterstützung oppositioneller Gruppen durch die Europäische Union, sieht es scheint so, als würde Daniel Ortega wieder Präsident der Republik Nicaragua werden, da seine Umfragewerte gut sind und bereits eine relative Mehrheit von 35 % im ersten Wahlgang genügen, um ihn wieder ins Amt zu bringen.
Für die ärmeren Bevölkerungsteile des Landes wäre das sicherlich nicht das Schlechteste, da die FSLN große Anstrengungen unternimmt das Gesundheits- und Bildungssystem für alle Bürger zu öffnen. So ist bereits schon heute jegliche ärztliche Behandlung, sowie die dazu notwendigen Medikamente umsonst. Auch die Schulbildung ist gratis und Kinder aus armen Familien bekommen sogar die Uniform, Hefte und einen Rucksack geschenkt. Man könnte diese Liste noch lange fortsetzen (was die FSLN medienwirksam sehr gerne macht) und kann dabei nicht leugnen, dass die Armen von all den Aktivitäten profitieren, doch wer sicherlich nicht von der Wiederwahl Ortegas profitiert ist die Rechtsstaatlichkeit in Nicaragua.
Zu Besuch in Kolumbien
January 27th, 2011Seit einer Woche bin ich nun in Kolumbien, um dort einen Teil meiner Familie zu besuchen. Die Reise dorthin war etwas beschwerlich, weil mein Flug von Managua ging und es keine Direktflüge nach Bogotá gibt. Morgens um sieben fuhr ich mit dem Bus los richtung Hauptstadt, machte mit dem Flugzeug einen Zwischenstop in Panamá-City und kam schließlich abends um zehn Uhr Ortszeit am Flughafen von Bogotá an.
Für mich war es erst einmal befremdlich hier zu sein, denn mit einem Mal war es kalt: 12°C! Aber auch die folgenden Tage besserte sich dieses Gefühl nur langsam, denn man muss sich vorstellen, dass ich aus einem Land kam, in dem 6 Millionen Menschen leben, während allein in Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens 8 Millionen Menschen leben. Auch sonst war alles wieder anders: Es gab richtige Häuser, mit Ziegeldächern (anstatt Wellblech), die Straßen waren viel sauberer und in den Läden und Shoppingmalls gibt es hier alles zu kaufen, was man sich nur vorstellen kann – dagegen kann nicht einmal Deutschland mithalten! Hier findet man alles, was man brauchen oder auch nicht brauchen kann: beim richtigen Vollkornbrot angefangen, über Milkaschokolade bis hin zur riesigen Computerabteilung. Mittlerweile habe ich mich nun ein bisschen daran gewöhnt, wobei ich sagen muss, dass ich mich auch schon wieder darauf freue ins kleine und beschauliche San Juan del Sur zurückkehren zu dürfen, dort wo es warm ist und man nicht wegen jeder kleinen Anstrengung aus der Puste kommt. Achja, das ist noch eine weiter Umstellung: Bogotá liegt auf ungefährt 2700m über dem Meeresspiegel, das heißt die Luft ist hier viel dünner und man muss sich die erste Zeit erst einmal an den Sauerstoffmangel gewöhnen!
Der Fluch des Internets, mein Umzug und jede Menge Zufriedenheit
December 5th, 2010Lange ist es her, dass ich mich dazu bewegen konnte einen Blogeintrag oder E-Mails zu schreiben. Aber ich kann alle Leser beruhigen: Ich bin noch am Leben. Im letzten Monat war – wie immer – viel los in San Juan del Sur. Die Gefahr der Leptospirose ist gebannt, da zum einen die starken Regenfälle nachgelassen haben und zum anderen das prophylaktische Medikamentieren seine Wirkung gezeigt hat. Da wir also wieder etwas mehr Zeit im centro de salud selbst verbringen konnten, kümmerten wir uns ein wenig um die Büroarbeit: Drucker installieren, Briefe abtippen und nach einem Internetanschluss für das Gesundheitszentrum zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, welch Übel ein Internetanschluss mit sich bringen könnte: Bisher wurden alle Patienteninformationen (fichas) auf dafür vorgesehene Bögen geschrieben, doch nun will das Gesundheitsministerium alle Daten zentral erfassen. Das bedeutet für uns, dass wir alle Daten abtippen und per Internet nach Managua schicken müssen – am besten noch vor Jahresende. Glücklicherweise sind es auch nur geschätzte 2500 Bögen…
Vergangenen Montag waren Leonard und ich einmal wieder mit der brigada medica unterwegs. Diesmal ging es nach Escamequita. Uns beiden Voluntarios wurde die “Apotheke” (ein Reisekoffer mit vielen Medikamenten darin) aufs Auge gedrückt, was anfangs sehr schwierig war, da Ärzte bekanntlich ja eine schwer lesbare Handschrift haben und es keine wirkliche Ordnung gab. Mit der Unterstützung von Leonel gelang es uns dann aber doch meistens die Glyphen zu entziffern. Zufälligerweise war zur gleichen Zeit mal wieder eine Aktion der FSLN in Escamequita: Es wurde Wellblechdach an die Bevölkerung verschenkt, was für einen großen Auflauf an Menschen sorgte.
Vor zwei Wochen bin ich aus meiner Gastfamilie ausgezogen und wohne nun in einer WG mit zwei Freiwilligen aus Deutschland. Selbstständig zu wohnen hat zwar viele Vorteile, aber es kostet auch seinen Preis: selbst einkaufen, kochen, waschen, putzen und alles andere was damit verbunden ist. Trotzdem, dass alles zeit- und kraftraubend ist, bin ich sehr zufrieden in Nicaragua zu sein!
Dia de los muertos
November 7th, 2010Und wieder einmal kann ich auf eine sehr ereignisreiche Woche zurückblicken: Am Dienstag war der dia de los muertos (Tag der Toten, was ein wenig mit Allerheiligen zu vergleichen ist). An diesem Tag gehen die Leute auf den Friedhof um ihren Toten zu gedenken, allerdings läuft das ein bisschen anders ab als in Deutschland: Vormittags werden die Gräber mit Blumen geschmückt und in den buntesten Farben angestrichen. Mittags gibt es dann eine Messe und anschließend setzen sich die Familien zu ihren Verstorbenen und machen ein Picknick… Ich stelle mir immer wieder vor, was wohl passieren würde, wenn ich das in Deutschland machen würde. Wahrscheinlich würde ich von der Polizei wegen Grabschändung abgeführt werden…
Die restlichen Wochentage waren wir vom Centro de Salud aus unterwegs um weiterhin Medikamente gegen Leptospirose zu verteilen. Am besten war allerdings die Tour am Freitag, da wir die Restaurants, Hotels und Bars mit Prophylaxe versorgten und dabei immer gleich mit den Chefs ins Gespräch kamen…
Feria de Salud in Ostional
November 3rd, 2010Auch dieses Wochenende war wieder einmal sehr arbeitsreich: Am Freitag versorgten wir die verschiedenen Viertel in San Juan mit Präventivmedikamenten gegen die Leptospirose. Bewaffnet mit einem Beutel voller Medikamente und Aufklärungsblätter über die Krankheit gingen Leonard und ich von Haus zu Haus. Er hielt immer die Einführungsrede und gab die Medikamente aus, während ich das Vergnügen hatte alle Personen aufzuschreiben. Anfangs hatte ich damit meine Probleme, da da Namen hier teilweise sehr seltsam klingen, mit der Zeit wurde es aber immer besser. Nach sieben Stunden hatten wir unser Soll erfüllt und das Barrio war versorgt: Meine Liste zählte 120 Personen!
Für den Sonntag stand eine feria de salud in Ostional an, also so eine Art Gesundheitsjahrmarkt. Auf die Beine gestellt wurde das ganze von der FSLN (–> mehr dazu in Klartext) und dem Gesundheitsministerium. Da eine solche feria viel Organisation und Planung erfordert, sind wird schon am Samstag in das 25km entfernte Ostional gefahren. Gelernt habe ich währenddessen, dass es nicht unmöglich ist 15 Leute und jede Menge Kartons auf einem Pick-up unterzubringen. Nach der einstündigen Fahrt war es mir wieder ordentlich schlecht von der schlechten Straße, aber es blieb nicht viel Zeit zum ausruhen: Der Garten des Gesundheitszentrums musste gepflegt werden und in der nahe gelegenen Schule musste aufgeräumt und aufgebaut werden. Glücklicherweise kamen wir aber gar nicht so spät wieder nach San Juan zurück, so dass noch ein bisschen Zeit zum Ausgehen blieb.
Ich schreibe dass nur ein bisschen Zeit blieb, weil ich am nächsten Morgen schon um fünf Uhr aufstehen musste. Fast pünktlich um sechs Uhr (hora nica) ging es dann mit vier Autos nach Ostional. Als wir dort ankamen, warteten schon dutzende Menschen vor dem Centro de Salud, um eine kostenlose Untersuchung und Behandlung zu bekommen. Ich selbst war sehr erstaunt, was die Frente auf die Beine gestellt hat: Allgemeinärzte, Kinderärzte, Zahnärzte, Internisten, Frauenärzte, viel Krankenschwestern und noch mehr Freiwillige waren angereist. Jeder konnte einen kostenlosen Aids-Test machen lassen, Schwangere wurden per Ultraschall untersucht und vieles mehr. Die Medikamente, die nach jeder Behandlung ausgegeben wurden, waren natürlich auch gratis. Später rückte dann noch ein DJ an, der das ganze Gelände mit lauter Musik beschallte und passende dazu wurden folkloristische Tänze aufgeführt.
Für mich gab es auf der feria genug zu tun: Anfangs half ich dabei die ankommenden Leute einzuweisen, später half ich in der Apotheke aus und zwischen drin verteilte ich immer Blätter über Dengue oder Leptospirose im ganzen Dorf. Natürlich kamen auch die Pausen nicht zu kurz, denn schließlich bin ich hier ja in Nicaragua, wo alles etwas ruhiger angegangen wird. Zum Mittagessen wurde von der Frente für jeden Mitarbeiter eine ordentliche Portion Hähnchen mit Reis, Gemüse, Bohnen und Salat organisiert. Während des ganzen Tages lernte ich natürlich auch viele neue Leute kennen und freue mich deswegen schon alle wieder auf der nächsten feria zu treffen.
Abends ging es erst nach Einbruch der Dunkelheit nach Hause, da erst gewartet werden musste bis jeder behandelt wurde. Das anschließende Abbauen benötigte dann auch noch seine Zeit. Die Rückfahrt dauerte dafür nicht so lange wie sonst, da der Fahrer wohl versuchte eine neue Bestzeit aufzustellen – so schlecht war mir schon lange nicht mehr. Als ich dann endlich wieder in San Juan del Sur war, aß ich nur noch eine Kleinigkeit zu Abend und viel dann casi muerto – fast wie tot ins Bett.
Arbeit in Zeiten der Leptospirose
October 30th, 2010Das Wochenende über waren wir vom Centro de Salud aus schon sehr beschäftigt, da in Nicaragua Fälle von Leptospirose gemeldet wurden. Diese Krankheit fängt mit Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen an und wird deswegen oft mit einer Grippe verwechselt. Das Problem ist dabei, dass diese Krankheit innerhalb von fünf Tagen behandelt werden muss, da sie sonst tödlich sein kann. Deswegen waren wir auf dem Land unterwegs, um den Leuten klarzumachen, wie man eine Infektion am besten vermeiden kann: Händewaschen, stets Schuhe tragen, nicht in Flüssen baden und die Nahrung gut vor Ratten sichern, da diese als Hauptüberträger gelten.
Am Montag war mein erster Arbeitstag an der Grundschule. Auf Grund der 35 Schüler und einigen Sprachbarrieren meinerseits war der Unterricht noch etwas chaotisch. Dienstags lief es in der anderen Klasse allerdings schon viel besser. Wir spielten Kickball (eine Abwandlung von Baseball) und blanco y negro. Der Sportunterricht geht hier wegen der Hitze schon immer sehr früh los, weswegen ich schon um 7.15 Uhr anfangen musste. Dafür freute ich mich umso mehr um acht schon Feierabend zu Abend. Eigentlich wollte ich den Tag über an den Strand gehen, hatte dann aber doch etwas Langeweile, weswegen ich ins Gesundheitszentrum ging. Aber auch dort gab es für mich scheinbar nicht wirklich was zutun. Ich half noch ein wenig in der Küche mit und machte mich um zwölf dann wieder auf den Heimweg. Den Nachmittag über verbrachten Leonard und ich dann am Strand.
Als es schon acht Uhr abends war und ich eigentlich schon vor lauter Müdigkeit ins Bett gehen wollte, meldete sich Leonel. Er meinte, dass er gerade noch auf einer Versammlung sei, in einer Viertelstunde aber dringend unsere Hilfe brauchen könnte. Also gingen wir noch gemütlich zum Gesundheitszentrum… eine dreiviertel Stunde war er dann auch schon da und berichtete uns, dass sich die Situation bezüglich der Leptospirose verschlimmert hätte und es deswegen notwenig wäre Prophylaxemedikamente zu verteilen. Da die Medikamente hier recht knapp sind, mussten diese dazu erst für jedes Viertel genau abgezählt werden, um sie am nächsten Tag verteilen zu können. Das Abzählen ging noch bis nach Mitternacht, so dass anschließend ich regelrecht ins Bett fiel…
Wirklich Zeit zum Ausruhen gab es aber nicht, da ich mich bereit erklärt hatte am nächsten Tag mit nach Tortuga zu fahren, um dort Medikamente zu verteilen. Um acht starteten wir mit dem Jeep des Gesundheitszentrums los und kamen – nachdem wir eine Stunde lang durchgeschüttelt wurden – gut an. In Tortuga war der Andrang groß, da nicht nur ein Vortrag über die Leptospirose gehalten und Prophylaxe verteilt wurde, sondern auch ein Arzt mit dabei war, der im örtlichen Mehrzweckgebäude seine Sprechstunde abhielt.
Die beiden Krankenschwestern, die mit dabei waren, machten Blutuntersuchungen und impften gegen Hepatitis und Grippe. Ein anderer Mitarbeiter verteilte unterdessen Rattengift aus Kuba, wie er ganz stolz verkündete und mir unterstand die Apotheke.
Durch den besagten Andrang waren wir dann erst um fünf Uhr abends fertig. Wir konnten trotz allem noch nicht gleich zurück nach San Juan fahren, da wir noch einen Militärstützpunkt mit Medikamenten zu versorgen hatten. Dieser Stützpunkt wurde errichtet, um die brütenden Meeresschildkröten, die in Nicaragua schon kurz vor dem Aussterben standen, zu beschützen. Auf der Veranda des Gebäudes standen mehrere mit Sand gefüllte Säcke, die ich anfangs gar nicht großartig beachtete. Während ich darauf wartete, dass wir endlich zurückfahren konnten, machte mich ein Soldat darauf aufmerksam, dass in diesen Säcken gerade Schildkröten schlüpfen würden. Ich nahm mir gleich den nächstgelegenen vor – und tatsächlich: Ich durfte miterleben, wie eine Schildkröte auf die Welt kam. Das warten hatte sich gelohnt.
Als wir dann endlich weiterfahren konnten, war es schon Nacht. Der Fahrer des Pickups machte deswegen die Motorhaube auf und schaltete dort das Licht ein… Es ging über die gleiche Holperpiste zurück, nur dass es nachts auf der Ladefläche noch viel spannender ist, da man niedrige Äste viel schlechter erkennen kann.
In San Juan del Sur angekommen aß ich noch eine Kleinigkeit zu Abend und viel dann müde ins Bett.
Die Bohnenkrise
October 15th, 2010Wie letztens schon erwähnt, hat es in Nicaragua wegen des starken Tropensturms viel und heftig geregnet. Im Norden des Landes kamen dabei 54 Menschen ums Leben. In San Juan del Sur ist zum Glück nur ein Sachschaden entstanden. Durch diese Regenfälle, die über eine Woche andauerten, wurde ein Großteil der Bohnenernte zerstört, so dass es hier zu regelrechten Engpässen kommt. Das Pfund kostet – sofern man in den Läden überhaupt Frijoles erhält – 25 Córdoba (ca. 1 €). Für unsere Verhältnisse ist das nicht viel, aber hier in Nicaragua gibt es viele Menschen, die weniger als einen Dollar am Tag verdienen. Das bedeutet, dass für viele Nicaraguaner, sowie auch andere Zentralamerikaner eines der Hauptnahrungsmittel wegfällt. Der Engpass an Bohnen führt wiederum zu einer größeren Nachfrage an anderen Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais und Weizen, die dadurch auch wieder teurer werden…